Themenübersicht

Sie finden untenstehend die Liste der Blogbeiträge zu den jeweiligen Themengebieten, wobei verschiedene individuelle Schwerpunkte von den Studierenden gelegt wurden. Mit einem Klick auf die Links gelangen Sie jeweils direkt zu den Beiträgen.

  1. Internationale Klima(-wandelanpassungs-)politik aus Sicht von Ländern des Globalen Südens – ein kritischer Blick auf MDGs, SDGs & UNFCCC
  2. Rolle der internationalen Entwicklungszusammenarbeit bzgl. Klimawandelanpassung: Finanzielle und Technische „Unterstützung“
  3. Einfluss von lokalem und/oder traditionell-ökologischem Wissen auf Klimawandelanpassung im Globalen Süden
  4. Bottom-Up-Klimawandelanpassung und Community-Based Adaptation
  5. Klimawandel in Indien – Anpassungsmaßnahmen mit Fokus auf
  6. Anpassung an Auswirkungen des Klimawandels in Bangladeschs Ganges-Brahmaputra-Delta
  7. Nepal – Anpassung an den Klimawandel im Mittelland und Hochgebirge
  8. Exkurs „Polarregionen“ – Anpassung an Auswirkungen des Klimawandels in der nordamerikanischen Arktis
  9. Jordanien – Anpassung an den Klimawandel in wüstenähnlichen Gebieten
  10. Exkurs „Israel“ – Klimawandelanpassungsmaßnahmen und ihre Hintergründe
  11. Ho-Chi-Minh-City – Anpassung an den Klimawandel einer post-kommunistischen Megacity in der Mekong-Deltaregion
  12. Exkurs „Singapur“ – Klimawandelanpassungsstrategien und konkrete Maßnahmen
  13. Inselstaat Kiribati – kurz-, mittel- und langfristige Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel
  14. Anpassungen an den Klimawandel im Tourismus-Hotspot Malediven
  15. Übersicht über Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel in brasilianischen Metropolregionen (leider kein Blogbeitrag vorhanden)
  16. Südafrika – Anpassung an den Klimawandel im semi-urbanen und ländlichen Raum
  17. Anpassung an Klimawandelauswirkungen im ostafrikanischen Uganda

Wir hoffen, Sie haben Spaß am Durchstöbern der Beiträge und hoffen, dass Sie neue Denkanstöße erhalten. Nutzen Sie gerne die Kommentarfunktion untern den jeweiligen Beiträgen, um Ihre Gedanken zu teilen. Gerne dürfen Sie uns auch bei Fragen oder Anregungen über das Kontaktformular (s. linke Spalte) anschreiben. Vielen Dank.

Nepal – Klimawandelanpassungen im Mittelland und Hochgebirge

Nepal, das Land der Sherpas und des Everest, weitläufige Gebirgslandschaften und Berge soweit das Auge reicht. So oder so ähnlich stellt man sich aus europäischer Sicht das Land vor.

In diesem Land, das durch Vielfalt geprägt ist, geht es jedoch nicht nur um den Everest.

Die Klimawandelauswirkungen in Nepal sind sehr divers. Von dem global präsenten Anstieg der Temperaturen über Veränderungen im Niederschlagregime (Intensivierung der sommerlichen Niederschläge; im Winter hingegen immer zunehmende Trockenheit) bis hinzu steigender Erdrutschgefahr und langfristigen Problemen in der Wasserversorgung durch Gletscherrückzüge.

Ein Beispiel für eine Anpassungsmaßnahme an diese Auswirkungen ist das Programm zur Verbesserung der Speichermöglichkeiten für Saatgut, das Kleinbauern unterstützt, welche oft am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Sie besitzen wenige Ressourcen, die sie resilient gegen saisonale Schwankungen in der Ernte machen. Das Saatgut, auf das die Kleinbauern in schlechten Jahren angewiesen sind wird durch den Staat verteilt. Die Abhängigkeit von diesem sollte daher gemindert werden. So kann die traditionelle Samenaufbewahrung und das Bewusstsein der Bauern in dem Bezug auf die Klimawandelveränderungen gefördert werden. Eine Art der Weiterentwicklung ist es die Behälter für die Aufbewahrung der Samen zu verbessern, sodass die Samen länger haltbar sind. Hier steht vor allem die Kosteneffizienz durch Behälterwechsel im Vordergrund. Bei einer erfolgreichen Umsetzung des Programmes wird die Bevölkerung mit einbezogen und von der Anpassungsart durch Wissensvermittlung überzeugt.

Im Gebirge stellen sogenannte Glacier Lake Outburst Floods (kurz GLOF) die Bevölkerung vor eine große Herausforderung. Um gegen diese vorzugehen wurden Drainage-Systeme angelegt, durch die die Gletscherseen entleert werden. Auch die Errichtung von Dämmen mindert das Risiko von Überschwemmungen in anfälligen Flussysteme. Diese Dämme sind jedoch kritisch zu betrachten.

Zum einen regeln sie die Wasserzufuhr der Flusssysteme und erzeugen Energie, jedoch bergen sie auch Gefahren. Durch starke Niederschläge oder eine generell zu hohe Last der Mauern kann der Damm brechen. Dies kann man immer wieder, zuletzt am 25. Januar in Brasilien, beobachten. Auch Nepal war 2014 nach heftigen Erdrutschen der Gefahr von Dammbrüchen ausgesetzt, durch die zehntausende Menschen bedroht waren.

Im Zusammenhang mit den Dämmen kann man auch von einem weiteren Problem sprechen: Die Abhängigkeit von China. China investiert immer mehr in Dämme, durch die die Strom- und Wasserversorgung von Nepal gesichert und reguliert werden soll. Dies könnte zu einer starken Abhängigkeit der nepalesischen Bevölkerung von China führen. Nepal hat nicht genug Finanzkraft um diese Dämme aus eigener Hand zu bauen. Sie sind also auf ausländische Investoren angewiesen. China ist in dieser Situation also ein wichtiger Geldgeber, der dringend gebraucht wird um Nepal an die Klimawandeländerungen anzupassen. Diese wichtige Rolle Chinas macht Nepal jedoch zugleich abhängig von China. Wenn die Geldströme nichtmehr fließen fehlt Nepal ein großer Faktor zur eigenen Entwicklung. Des Weiteren benötigt Nepal für die Instandhaltung ausgebildete Arbeitskräfte, welche in Nepal fehlen. Man sollte diese Situation weiter beobachten und versuchen, die Bevölkerung, unabhängig von äußeren Einflüssen, auf das sich wandelnde Klima vorzubereiten, sodass diese sich selber helfen kann.

Alles in allem ist in Nepal eine stärker ausgebaute Infrastruktur und mehr Förderung seitens Bildung und Gender Equality notwendig. Auch eine generelle Bekämpfung der prekären Lebensbedingungen vieler Bevölkerungsteile ist vonnöten. Bis 2005 wurden seitens des Staates nur wenige Klimawandelanpassungsprojekte durchgeführt, jedoch sind auch große Bemühungen zur Entwicklung von Projekten und Maßnahmen in allen Sektoren in den letzten Jahren zu erkennen. Insbesondere community-based Projekte werden immer mehr gefördert, welche zu einem Bewusstsein in der Bevölkerung gegenüber des Klimawandels führen können. Nepal hat also noch großen Handlungsbedarf, ist aber mit der Stärkung sozialer Netzwerke auf einem guten Weg.

Klimawandel in Indien – Anpassungsmaßnahmen im urbanen Raum am Beispiel Mumbai

Indien erstreckt sich über mehrere Klimazonen, vom tropischen Süden über subtropisch zu gemäßigt und alpinen Klima in den Gebirgsregionen im Norden. Ihr gemeinsamer Nenner ist der im ganzen Land herrschende Monsun, der vor allem das ländliche Leben prägt. Aufgrund des Klimawandels ist nicht nur mit einem Temperaturanstieg um bis zu vier Grad zu rechnen, dem Meeresspiegelanstieg, sondern auch mit einer Zunahme der extremen Wetterereignisse. Dazu gehören Dürren durch Hitzewellen und Überschwemmungen verursacht durch Starkregen.

Bereits heute verleiten die ersten spürbaren Auswirkungen des Klimawandels die Landbevölkerung zur Flucht in die Städte. Dort sind sie meist, aufgrund des starken Stadt-Landgefälles, gezwungen sich in Slums anzusiedeln. Im urbanen Raum verstärken sich die Probleme durch die unkontrollierte, extreme Urbanisierung durch stark verdichtete Räume und schlechte bzw. nicht vorhandene Abwassersysteme. In Mumbai leben über 50% der 22.6 Mil. Einwohner in Slums, die Hafenstadt befindet sich nur minimal über dem Meeresspiegel und ihr Abflusssystem mündet direkt im Meer, was regelmäßig zu Problemen wie Verstopfungen durch Müll oder Abflussschwierigkeiten bei Hochwasser führt.

Indiens Adaptionspläne an den Klimawandel unterteilen sich in nationale, regionale und lokale Maßnahmen. Auf regionaler und lokaler Ebene wurden die drohenden Überflutungen der Stadt durch Starkregen und Meeresspiegelanstieg als größte Gefahr identifiziert. Die geplanten Maßnahmen adressieren jedoch hauptsächlich die wohlhabenderen Stadtviertel. Zu den Maßnahmen gehören beispielsweise die Verwendung von porigem Asphalt in zukünftigen Projekten. Die fördert den Regenwasserabfluss und gleichzeitig die Erholung des Grundwasserpegels. Zusätzlich soll das Abwassersystem überarbeitet und Rettungszentren in gefährdeten Gebieten errichtet werden. Nationale Medien bemängeln, dass trotz der jetzt schon spürbaren Auswirkungen des Klimawandels und des umfangreichen Maßnahmenkatalogs die stockende Umsetzung. Ein öffentlicher Diskurs findet nicht statt und in der lokalen Politik ist die Thematik quasi nicht vertreten.

Überschwemmung in einem Slum Indiens. Quelle: www.firstpost.com

Ebenso profitieren Slums von den geplanten Maßnahmen am wenigsten, obwohl sie sich in den tief gelegenen Stadtteilen befinden und zu den Hochwasserhotspots gehören. Öffentliche Gelder werden oft nur für großflächige Maßnahmen des Risikoreduktion genutzt. Zudem übernehmen staatliche Institutionen nur teilweise die Verantwortung für direkte Hilfe nach Überschwemmungen in Slums. Daraus entstand die Notwendigkeit der Slumbewohner eigene Adaptionsmaßnahmen zu entwickeln. Dazu gehören die selbst organisierte Reinigung der Abwassersysteme, bestenfalls die Errichtung eines zweiten Stockwerks im Haus und die Verdichtung des Fundaments gegen Absinken, andernfalls nur der Einbau einer erhöhten Ebene im Haus zum Schutz wertvollen Eigentums. Die mit sehr einfachen Mitteln ermöglichten Maßnahmen bieten zwar vorzeitig temporären Schutz, jedoch erzeugen sie keine dauerhafte Resilienz der Slumbewohner.

Die Rockefeller Foundation definiert resiliente Städte als

“the capacity of individuals, communities, institutions, businesses, and systems within a city to survive, adapt, and grow no matter what kinds of chronic stresses and acute shocks they experience”.

Dabei ist die größte Schwäche von Mumbais Climate Action Plan die Vernachlässigung der armen Bevölkerungsgruppen. Mumbais Schwierigkeit Slums in Hochwassergebieten klimawandelresistent zu gestalten ist nicht einzigartig. Weltweit haben Städte in Küsten- oder Deltaregionen in Ländern des globalen Südens mit extremer, unkontrollierter Urbanisierung und der daraus resultierenden Ansiedlung in erhöht vulnerablen Stadtgebieten zu kämpfen. Hier bestünde die Möglichkeit geeignete Maßnahmen anderer Städte zu adaptieren und in den eigenen Climate Action Plan zu integrieren. Ho-Chi-Minh-City beispielsweise hat ein striktes Bebauungsverbot in Überschwemmungsgebieten verhängt und neue Baugebieten in höheren Regionen ausgewiesen (HCMC 2013). Dies führt zwar kurzfristig zu keiner Verbesserung der Situation, auf lange Sicht jedoch werden die von Überschwemmungen betroffenen Gebiete unbewohnt und Stadtteile „gewandert“ sein. Auch eine 2016 herausgebrachte Studie „Slum Upgrading Programs and Disaster Resilience: A Case Study of an Indian ‘Smart City’“ (Yu et al. 2016) befasst sich mit der Thematik Slums und deren Desastermanagement. Darin werden mögliche Wege, die prekäre Situation der Slumbewohner zu verbessern, aufgezeigt. Weltweit haben sich Netzwerke und Städtepartnerschaften zum Thema urbaner Resilienz gebildet, größtes Netzwerk ist hier die 100ResilientCities der Rockefeller Foundation. Mumbai ist Mitglied der C40 Cities, einem Netzwerk aus vierzig Städten in Delta- oder Küstenregionen, wird dort aber unter „temporarily inactive“ gelistet (https://www.c40.org/cities).

Mumbais Probleme im Angesicht des Klimawandels sind vielschichtig und es wurde mit dem Climate Action Plan den ersten Schritt in die richtige Richtung getan, jedoch ist die Umsetzung stockend, eine öffentliche Debatte wird vermieden und einen Großteil der Stadtbevölkerung wird nicht berücksichtigt. Um in Zukunft einen Kollaps der Stadt zu verhindern, ist eine Überarbeitung des Plans dringend notwendig.

Literatur:

HCMC 2013. Climate Change Adaption Strategy, VCAPS – consortium 2013 http://www.vcaps.org/en/products zuletzt überprüft 11.02.2019       

(Yu et al. 2016) Jessica Yu, Harry Shannon, Andrea Baumann, Lisa Schwartz, Mihir Bhatt (2016). Slum Upgrading Programs and Disaster Resilience: A Case Study of an Indian ‘Smart City’, Procedia Environmental Sciences, Volume 36, 2016, Pages 154-161, ISSN 1878-0296, https://doi.org/10.1016/j.proenv.2016.09.026. (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1878029616302286)

http://www.100resilientcities.org/ zuletzt überprüft 11.02.2019

https://www.c40.org/cities zuletzt überprüft 26.01.2019

Anpassung an Klimawandelauswirkungen im ostafrikanischen Uganda

Uganda liegt in Zentralafrika knapp oberhalb des Äquators. Das Klima ist dementsprechend tropisch geprägt, wobei die Regenzeiten von März bis Mai und von Oktober bis Januar andauern. Das Land zeichnet sich durch eine sehr vielseitige Landschaft aus. Im Südwesten herrscht humides Klima, was zu einer starken landwirtschaftlichen Nutzung des Gebiets führt. Das Klima im Nordosten Ugandas ist hingegen stark abhängig von den auftretenden Regenperioden. Durch die länger andauernden Trockenphasen eignet sich das Gebiet nicht für landwirtschaftliche Nutzung sondern wird zu großen Teilen für die Viehhaltung genutzt. Uganda zählt zu den Least-Developed Countries und ist stark von der Landwirtschaft abhängig, insgesamt 72% der Einwohner Ugandas sind in der Landwirtschaft tätig.

In Folge des Klimawandels wird die Temperatur in Uganda um 1,8°C bis 4,3°C zunehmen, dies wird zum Schmelzen der Eisflächen im Ruwenzori Gebirge führen. Durch das Schmelzen des Eises steigt das Risiko von Erd- und Landrutschen. Zusätzlich werden die Niederschläge zunehmen, allerdings unregelmäßig, wobei vor allem Extremniederschlagsereignisse zunehmen werden. Aber auch andere Extremereignisse, wie Dürren oder Überschwemmungen werden häufiger auftreten. Zudem werden sich Krankheiten wie Malaria, Cholera oder Diarrhö durch das veränderte Klima besser ausbreiten können.

Um diesen Auswirkungen entgegenzuwirken befasst sich die Regierung Ugandas zunehmend mit Klimawandelanpassungsmaßnahmen. Fast alle international relevanten Abkommen, die den Klimawandel betreffen, wurden von Uganda anerkannt oder umgesetzt. Dabei stehen die Anpassung an Dürren im sogenannte Cattle Corridor im Nordosten Ugandas und die Sicherheit der Bergdörfer, die durch Erdrutsche gefährdet sind, im Vordergrund. Außerdem sollen die Treibhausgasemissionen Ugandas bis 2030 um 22% gesenkt werden und vor allem Frauen und Kinder stärker in Adaptionsmaßnahmen eingebunden werden. Insgesamt werden Adaptionsmaßnahmen der Mitigation vorgezogen.

Um die Widerstandfähigkeit der Bevölkerung zu steigern, plant die Regierung Ugandas Maßnahmen, um die Auswirkungen des Klimawandels möglichst gering zu halten. Die Landwirtschaft soll durch eine größere Diversifizierung vor Dürren geschützt werden. Dazu sollen vermehrt resiliente Pflanzen angebaut werden, die dem Trockenstress standhalten können und verschiedene Klimabedingungen bevorzugen. Zudem soll die Landwirtschaft durch Bewässerungssysteme und einen vermehrten Einsatz von Dünger modernisiert werden. Die Auswirkungen auf die Viehwirtschaft sollen durch den Wechsel zu kleineren Tieren eingeschränkt werden. Wasserressourcen und die große Biodiversität sollen geschützt werden und die Infrastruktur ausgebaut werden. Zusätzlich soll die Forstwirtschaft durch Aufforstung und Agroforstsysteme gefördert werden.

Im ländlichen Raum sollte das Sammeln von Regenwasser für innovative Bewässerungssysteme und ein Umdenken in der Viehwirtschaft im Vordergrund stehen. Der Migration in den urbanen Raum sollte auf Grund von Überbevölkerung entgegengewirkt werden.

Leider wurde bisher nur ein kleiner Teil dieser Maßnahmen umgesetzt. Dabei sind meistens kleinräumige Projekte in Kooperation mit NGOs erfolgreich, bei denen Agroforst- oder Aufforstungsprojekte im Vordergrund stehen. Als größte Herausforderungen stellten sich bisher die schlechte finanzielle Situation und die diversen Kulturen und Sprachen heraus. Zudem fehlen Finanzierungspläne und die finanzielle Unterstützung aus dem Ausland ist bisher gering. Die Regierung Ugandas finanziert Anpassungsmaßnahmen momentan mit nur 1% der Haushaltsausgaben, dadurch werden hauptsächlich spendenbasierte Projekte unter Führung von NGOs durchgeführt.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Uganda sind bekannt und Lösungsansätze vorhanden. Allerdings werden diese momentan noch zu selten umgesetzt, um von einer guten Adaptionspolitik der Regierung sprechen zu können. Einerseits spielt dabei die finanzielle Situation Ugandas eine Rolle, andererseits erschwert der zentralistische Führungsstil der Regierung die Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen. Um die Umsetzung zu erleichtern, sollten Prozesse dezentralisiert werden und lokal agierende Akteure in den Entscheidungsprozess eingebunden werden. Allerdings sind die Auswirkungen des Klimawandels momentan noch nicht gravierend, wodurch die Entwicklung und Finanzierung anderer Projekte, die die Lebensumstände der Menschen kurzfristig verbessern, im Mittelpunkt steht. Dies ist nicht verwunderlich, da konkrete Probleme im Fokus der Bevölkerung stehen, jedoch sollte das Wissen über Adaptionsmaßnahmen nicht verloren gehen, sondern genutzt werden, um den Lebensstandard der Bewohner Ugandas langfristig zu steigern und die Auswirkungen des Klimawandels auf Uganda möglichst gering zu halten.

Einfluss von lokalem und traditionell-ökologischem Wissen bezüglich Klimawandelanpassung in Ländern des Globalen Südens

Indigene und traditionell lebende Gemeinschaften haben häufig eine enge Beziehung zur Natur und verwenden täglich viele natürliche Materialen, die sie direkt aus Wäldern, Gewässern, Wiesen o.Ä. beziehen. Zum Beispiel sammeln Frauen in einigen ländlichen Regionen Indiens jeden Morgen Feuerholz, um ihre Kochstellen anzufeuern. Deshalb sind diese Bevölkerungsgruppen auch besonders gefährdet, wenn ihr Lebensraum durch den Klimawandel verändert und gefährdet wird (Barros et al., 2014). Aber indigene und traditionell lebende Gemeinschaften haben auch einen entscheidenden Vorteil: Sie haben über Generationen hinweg schon mehrmals die Erfahrung gemacht, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen und dadurch viel nützliches Wissen angesammelt. Dieses lokale und traditionelle Wissen kann den Gemeinschaften auch bei der Anpassung an den Klimawandel helfen.

Doch wie sind die Begriffe „lokales Wissen“ und „traditionelles Wissen“ eigentlich definiert? Lokales Wissen beschreibt das durch Erfahrung und Beobachtung gewonnene Wissen über lokale Verhältnisse. Es ist daher sehr spezifisch und lokal relevant. Im Kontext des Klimawandels ist vor Allem das Wissen über das lokale Öko-, Wetter- und Klimasystem sowie dessen Veränderungen von hoher Bedeutung. Ebenso wichtig ist auch das Wissen über die lokalen gesellschaftlichen Strukturen. In der Gesamtheit kann dieses Wissen die lokalen Handlungsspielräume für mögliche Anpassungsmaßnahmen klar aufzeigen.

Traditionelles Wissen beschreibt hingegen Wissen, welches oft narrativ, über Generationen hinweg weitergegeben wird und oft Teil der lokalen Tradition geworden ist. Es ist zumeist stark in den Werten, spirituellen Lehren und Sprichwörtern der Gemeinschaften verankert. Zugleich ist es dynamisch und oft mit lokalem Wissen kombiniert (WIPO). An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass die soeben definierten Begriffe nur schwer von dem Begriff des „indigenen Wissen“ abzugrenzen sind, denn tatsächlich ist traditionelles und lokales Wissen oft Teil indigenem Wissens und die Begriffe werden im Sprachgebrauch meist sinnverwandt benutzt.

In den meisten Gemeinschaften ist lokales und traditionelles Wissen in vielen Bereichen vorhanden, zum Beispiel über das Vorkommen und den Umgang mit natürlichen Ressourcen, traditionelle Ernährung, medizinische Heilverfahren und Formen der Wetter- und Klimabeobachtungen. In vielen Fällen können diese Wissensformen eine wichtige Rolle in der lokalen Klimawandelanpassung einnehmen. Da lokales und traditionelles Wissen schon immer dazu diente, Lebensweisen an neue Umstände anzupassen (Makondo & Thomas, 2018), macht es Sinn dieses Wissen bei der Planung von lokalen Anpassungsmaßnahmen von Anfang an zu berücksichtigen. Das gilt besonders für die Länder des Globalen Südens. Oft kann durch Berücksichtigung dieses speziellen Wissens die Wirksamkeit von Anpassungsmaßnahmen, auch von schon bestehenden Praktiken, erhöht werden. Das funktioniert am besten, wenn lokale soziale Netzwerke bei Planung und Durchführung der Maßnahmen, sowie bei der Entwicklung kosten- und ressourceneffizienter Lösungen direkt eingebunden werden. Die Verbreitung des lokalen Wissens sowie der Zugang zu Information ist ein wichtiger Faktor für erfolgreiche Anpassung (Barros et al., 2014). Ist lokales Wissen reichlich vorhanden und weit verbreitet, ist die Gemeinschaft in der Regel besser gegen Klimaveränderungen gewappnet.

In einigen Fällen ist traditionelles Wissen jedoch auch kritisch zu hinterfragen –  nämlich immer dann, wenn Rituale und Tabus Handlungsoptionen beschränken und gewisse Anpassungsmöglichkeiten kategorisch ausschließen. Schließlich kann es für Mensch und Umwelt sehr ungesund sein, wenn aufgrund eines (religiösen) Rituals weiterhin in einem mittlerweile von Schadstoffen verunreinigtem Fluss gebadet wird. Auch ist es problematisch, wenn angenommen wird, dass sündhafte Vorfahren die Ursache für Klima- und Umweltveränderungen sind. Dieses und andere traditionelle Erklärungsmuster können im schlimmsten Falle dazu führen, dass eine mögliche Anpassung nicht durchgeführt wird. Hier ist es sinnvoll in einen wertschätzenden Dialog zu treten und Verständnis für die Ursachen der Probleme zu schaffen.

Weitere Herausforderungen und Probleme bestehen oft durch die paternalistische Herangehensweise westlicher Wissenschaftler bezüglich Klimawandelanpassung in Ländern des Globalen Südens. Unter anderem sank das Ansehen von lokalem Wissen im Vergleich zu externen Expertenwissen zunehmend seit dem Beginn der Kolonialisierung. Moderne „wissenschaftlich objektive“ Methoden wurden vielerorts als überlegen betrachtet. Dabei sollte es kritisch hinterfragt werden, wenn eine weiße Wissenschaftler*in aus dem Globalen Norden in den Globalen Süden reist und versucht die lokalen Probleme mit „komplizierten Technologien“ und Strategien zu lösen, von denen die lokale Bevölkerung wahrscheinlich zuvor noch nichts gehört hat. Problematisch ist auch, dass dadurch traditionelles Wissen innerhalb der Gemeinschaften über die Zeit verloren geht und dies sie wiederum abhängig von externer Hilfe macht. Aus diesen Gründen ist es wahrscheinlich viel effektiver und nachhaltiger an traditionelles/lokales Wissen anzuknüpfen anstatt Gemeinschaften irgendeine „fremde“ Maßnahme aufzudrücken.

Zwar hat sich die Stellung von indigenem, lokalem und traditionellem Wissen außerhalb und innerhalb der Wissenschaft mittlerweile verbessert –  so richtig ernst genommen wird dieses Wissen jedoch immer noch zu wenig. Dabei können moderne, wissenschaftliche Methoden auch erfolgreich mit traditionellen Methoden kombiniert werden um daraus neue angepasste Methoden zu entwickeln. Ein Beispiel dafür bietet die Weiterentwicklung der „Zai“ Methode durch Yacouba Sawadogo  in Burkina Faso. Dafür erhielt Sawadogo 2018 den Alternativen Nobelpreis. Seine Methode der Bewirtschaftung der Sahel-Zone führte nachhaltig zu steigenden Ernteerträgen und wird mittlerweile von der UN empfohlen.

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Preisträger des Alternativen Nobelpreises: Yacouba Sawadogo aus Burkina Faso (Quelle: ZEIT ONLINE)

Auch das Video “Modern Science, Native Knowledge“ von The Nature Conservancy, welches über die indigene Gemeinschaft der Heiltsuk im „Great Bear Rainforest“ in Kanada und deren traditionell-wissenschaftliche Methoden berichtet, zeigt wie lokales, traditionell-ökologisches Wissen und allen voran traditionelle Werte maßgeblich zur Widerstandskraft und dem Wohlergehen der Gemeinschaft und des Ökosystems beitragen. Es wird auch deutlich, dass lokales und traditionelles Wissen dynamisch ist. Die ganzheitliche Sicht indigener Gemeinschaften auf Gesellschaft und Umwelt führt letztendlich zum nachhaltigen Schutz und Beständigkeit dieser. Deshalb ist es von zentraler Bedeutung, indigen und traditionell lebenden Gemeinschaften Anerkennung und Respekt entgegenzubringen, ihre Expertise wertzuschätzen und ihre Selbstbestimmungsrechte zu achten.

Letztlich denke ich, dass die lokalen Gemeinschaften als Experten für ihr Gebiet betrachtet werden sollten, weshalb ein demokratischer Austausch über Methoden und Optionen zur Anpassung zwischen ihnen und Externen in jedem Fall früh stattfinden sollte. Dabei sollte geprüft werden, wie in dem jeweiligen Kontext lokales und traditionell-ökologisches Wissen besser in Klimawandelanpassungsmaßnahmen in Ländern des Globalen Südens integriert werden kann. Nur wenn Maßnahmen wirklich von der Gemeinschaft akzeptiert und getragen werden, haben diese eine Chance nachhaltig erfolgreich zu sein.

Literatur

Barros, V. R., Field, C. B., Dokke, D. J., Mastrandrea, M. D., Mach, K. J., Bilir, T. E., … & Girma, B. (2014). Climate change 2014: impacts, adaptation, and vulnerability. Contribution of Working Group II to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change.

Grefe, C. (2018). Bauer aus Burkina Faso erhält Alternativen Nobelpreis. In: Zeit Online, 24.09.2018. Online verfügbar unter: https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-09/yacouba-sawadogo-alternativer-nobelpreis-landwirtschaft-trockenheit-boeden, zuletzt geprüft am 10.02.2019

Makondo, C. C., & Thomas, D.S.G. (2018). Climate change adaptation. Linking indigenous knowledge with western science for effective adaptation. In: Environmental Science & Policy, 88, S. 83-91. DOI: 10.1016/j.envsci.2018.06.014.

World Intellectual Property Organization (WIPO). (o.J.): Glossary. Traditional Knowledge. Online verfügbar unter: http://www.wipo.int/tk/en/resources/glossary.html#49, zuletzt geprüft am 10.02.2019

Klimawandelanpassungen in Bangladeschs Ganges-Brahmaputra-Delta

Bangladesch zählt zu den ersten Ländern, die der UNFCC 2005 einen National Adaption Plan vorgezeigt haben. Das Land kämpft aufgrund seiner geographischen Gegebenheiten und dem tropischen Klima v.a. mit Überschwemmungen, Verschlammung, sowie Trockenheit und Dürren. Hinzu kommen klimatisch bedingte Herausforderungen wie Boden- und Grundwasserversalzung, Erosion und Zyklonen. 2/3 der Bevölkerung leben in ländlichen Gebieten, was dazu führt, dass ca. jeder zweite Bewohner in der (klimaabhängigen) Landwirtschaft tätig ist.

Nachdem 2009 der Action Plan in Kraft trat, wurden 2010 sowohl ein nationaler als auch ein geberfinanzierter Klimafond gegründet. 2015 wurden dann im Rahmen des Pariser Abkommens nationale Ziele erstmals definiert und priorisiert.

Neben Schutzmaßnahmen vor Klimakatastrophen, Frühwarnsystemen, Infrastrukturanpassungen, etc. bewähren sich in Bangladesch auch schwimmende Gärten und Farmen als geeignete Klimawandelanpassungsmaßnahmen.

Wichtig zu beachten ist, dass die Diversifizierung der Standbeine der Haushalte nicht aus „Spaß an der Sache“, sondern aus der Not heraus geschieht. Dabei stellt sich auch die Frage, ob die alternativen Wirtschaftszweige, wie z.B. die bereits erwähnten schwimmenden Farmen, als Bereicherung gelten sollen, oder ob sie den (Nutzungs-)Druck auf die ökologische Funktion erhöhen und das Problem dementsprechend verschieben. Langfristig könnten diese Maßnahmen zur Eutrophierung der Gewässer, oder zu Streit innerhalb der Dorfgemeinschaft führen und somit den Zusammenhalt schwächen. Wer hat welches Recht auf welchen Teil des Flusses? Wer bestimmt diese Rechte? Unter zahlreichen Fischern sind solche Fragen bereits in Streit und Gewalt ausgeartet, was wiederum die Notsituation der Dorfbevölkerung und den (schnellen) Handlungsbedarf verdeutlicht. Nationale oder regionale territoriale Regelungen könnten hier eine mögliche Lösung darstellen.

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Foto: Schwimmende Gärten in Bangladesch. Quelle: http://www.dw.com.

Eine weitere wichtige Anpassungsmaßnahme ist die Aufforstung der besonders gefährdeten südlichen Ufer- und Küstenabschnitte mit Mangrovenwäldern. Sie wirken der Erosion entgegen, absorbieren außergewöhnlich viel Kohlenstoff und fungieren zusätzlich als Lebensraum für Tiere und Pflanzen. 

Den Fokus dieses Artikels würde ich trotz vieler anderer spannender Maßnahmen gerne auf ein Projekt der NGO RDRS Bangladesh von 2013 bis 2016 legen. Sie verfolgte den Aufbau von Village Disaster Management Comittees auf Gemeindeebene im ländlichen Raum Bangladeschs. Diese setzen sich aus 30-40 Mitglieder*innen, einem*r Vorsitzenden, sowie einem*r Sekretär*in zusammen. Beide Positionen müssen von jeweils verschiedenen Geschlechtern besetzt werden.  Die Mitglieder*innen müssen zur Hälfte aus den gefährdetsten Haushalten des Dorfes stammen. ¼ der Mitglieder*innen teilen ihren Haushalt mit Kinder, mit Menschen mit einer Behinderung, oder mit einem weiblichen Familienoberhaupt und ¼ gehören der lokalen Elite an.

Die Dorfräte sollen als Ansprechpartner*innen und Kontaktpersonen dienen, sowie eine Plattform für Ideen- und Wissensaustausch bieten. Das Ziel ist den Zusammenhalt und das Vertrauen innerhalb der Dorfgemeinschaft zu stärken und dadurch eine bessere Kooperation in Notfällen zu ermöglichen.

Hinter der vorbildlich erscheinenden Theorie verbirgt sich eine ganze Reihe an Problemen: Frauen fühlen sich oft nicht respektiert und lokale Eliten gelten als dominante Gruppe. Dabei stelle ich mir die Frage, wie es trotz festgeschriebener Geschlechteraufteilung in Führungspositionen und festgesetztem Prozentanteil lokaler Eliten in Commitees überhaupt zu solchen Situationen kommen kann? Hinzu kommen Kommunikationsprobleme zwischen den einzelnen Ebenen, die teilweise dazu führen, dass manche Dorfbewohner*innen noch nie etwas von den beschriebenen Instanzen und der angebotenen Hilfe gehört haben. Durch eine aufschlussreiche Aufklärung über das Projekt in den Dörfern und eine bessere Kooperation zwischen den einzelnen Ebenen würden die Commitees effizienter werden.

Literatur:

AYEB-KARLSSON, S. et al. (2016): A people-centred perspective on climate change, environmental stress and livelihood resilience in Bangladesh. In: Sustainable Deltas: Livelihoods, Ecosystem Services, and Policy Implicatons. S. 679-694.

KARIM, R.; THIEL, A. (2017): Role of community based local institution for climate change adaptation in the Teesta riverine area of Bangladesh. In: Climate Risk Management. S. 92-103.

Bottom-Up-Klimawandelanpassung und Community-based Adaptation

In Bezug auf die Klimawandelanpassung gibt es verschiedene Strategien. Die Anpassungsmaßnahmen können „von oben herab“ beschlossen und durchgeführt werden. Dabei spricht man von Top-down-organisierten Maßnahmen. In der Regel werden derartige Projekte von den zuständigen Regierungen angeordnet und umgesetzt. Die lokale Bevölkerung wird nur in geringem Maße miteinbezogen.

Die Alternative bilden Strukturen, bei denen die Entscheidungsgewalt und Verantwortung bei den unteren Verwaltung- und Organisationsinstanzen liegt. Oft werden diese Maßnahmen mit den Schlagworten „Community-based Adaptation“ und „Bottom-Up-Klimawandelanpassung“ versehen.

Bei Community-based-Adaptation handelt es sich um eine Strategie, die zwar von höheren politischen Instanzen bzw. Organisationen geplant wird, aber stark auf die Partizipation der lokalen Bevölkerung setzt. Community-based Strategien beziehen den kulturellen Hintergrund der Menschen mit ein und operieren mit dem Wissen der Einwohner über die Natur. Im Falle der Klimawandeladaption kann beispielsweise das Wissen lokaler Bevölkerungsgruppen um resiliente landwirtschaftliche Anbaumethoden oder Hochwasserschutz von großer Bedeutung sein. Von Community-based Konzepten verspricht man sich die Erarbeitung und Umsetzung besonders effektiver, auf die Bedürfnisse und Lebensumstände der Bevölkerung zugeschnittener Anpassungsmaßnahmen. Bei Community-based-Projekten wird jedoch häufig ein erheblicher, externer finanzieller Input benötigt.

Bottom-Up-Prozesse gehen noch ein Stück weiter. Hierbei organisieren Gruppen von Individuen, sich und Ihre Ressourcen ohne äußere Steuerung oder Kontrolle selbst. Auf die Entwicklungszusammenarbeit und Klimawandeladaption übertragen, handelt es sich um Projekte, die von lokalen Bevölkerungsgruppen eigenständig organisiert werden. Die höheren politischen Instanzen sind meist nicht beteiligt. Die Initiative geht von der Bevölkerung selbst aus. Im Idealfall kommen die selbstorganisierten Gemeinschaften mit wenig finanziellen Mitteln aus. Jedoch besteht die Gefahr, dass die Projekte mit den politischen Institutionen in Konflikt geraten, da die Vorhaben nicht immer von der Regierung abgesegnet sind.

Im Folgenden möchte ich für jede der beiden Strategien kurz ein Beispiel erörtern, um die Kerngedanken beider Ansätze noch etwas anschaulicher zu vermitteln.

Das erste Projekt wird in der Beni-Provinz im Norden Boliviens durchgeführt. In dieser Region wird im Zuge des Klimawandels eine deutliche Zunahme der Niederschlagsvariabilität erwartet. Sowohl Starkregenereignisse als auch Dürren dürften in Zukunft häufiger auftreten. Um Landwirtschaft in großem Stil betrieben zu können, wurden zahlreiche Regenwaldbestände gerodet. Der Regenwaldboden liefert nur für 2 bis 3 Jahre sichere Erträge. Kommen Starkniederschläge hinzu, schreitet die Degradation rasch voran. Zudem sorgen Überflutungen für eine Vernichtung des Saatguts. Entsprechend ist die lokale Bevölkerung höchst vulnerabel gegenüber klimawandelbedingten Wetterextremen.

Die Projektidee beinhaltet eine Wiederbelebung und Ausweitung traditioneller Anbaumethoden. Diese wurden häufig zugunsten moderner, industrieller Landwirtschaft aufgegeben, sind jedoch sehr viel besser an die lokalen Gegebenheiten angepasst. Im Falle der Beni-Provinz stellt die Methode der „Camellones“ eine Form traditioneller Landwirtschaft dar. Diese sieht das Anlegen von Hügeln, Deichen und erhöht liegenden Feldern vor. So ist die Saat vor Überflutungen geschützt und die Ernte trotz extremer Niederschläge gesichert. Im Zuge der Aktion werden von den Anwohnern moderne „Camellones“, sowie Bewässerungs- und Drainage-Systeme auf den Feldern angelegt. Insgesamt sind mehr als 400 Menschen in 5 Gemeinden der Beni-Provinz beteiligt. Die Verantwortung liegt vor allem bei den Frauen in den Gemeinden, wodurch deren Position in der Gesellschaft gestärkt wird.

Mittlerweile erzielt das Projekt erste Erfolge. Die Ernährungssituation der Bevölkerung hat sich deutlich stabilisiert. Organisiert wurde das Projekt von Oxfam und der Kenneth Lee Foundation. Es handelt sich um einen klassischen Community-based-Ansatz. Zwar wird die Aktion von externen Akteuren organisiert, jedoch berücksichtigt sie das Wissen der lokalen Bevölkerung um die Camellones als nachhaltige und resiliente Anbaumethode. Jedoch stellt sich die Frage, inwiefern das Projekt nach Rückzug der Geldgeber aus der Region fortbesteht. Ohne den finanziellen Input droht den Initiativen womöglich das Aus. Bei extern geplanten Community-based-Projekten ist dieses Risiko stets gegeben. Die Geldflüsse schaffen ungewollt neue Abhängigkeiten. Deshalb muss die lokale Bevölkerung soweit sensibilisiert und geschult werden, dass sie die Projekte in Eigenverantwortung weiterführen kann.

Der zweite Fall führt uns nach Kolumbien. Genauer gesagt ins Cinturon Andino Biosphärenreservat. Auch hier beobachtet man eine Zunahme der Niederschlagsvariabilität, die sich in Zukunft weiter verstärken wird. Somit wird die Existenz der in der Region lebenden Kleinbauern und ihrer Betriebe mehr und mehr bedroht. Gleichzeitig leiden viele Bauern unter dem zunehmenden Konkurrenzdruck infolge der Globalisierung.

Lange Zeit tobten heftige Konflikte zwischen der indigenen Bevölkerung und den ansässigen Kleinbauern. Jedoch wurden um das Jahr 2000 herum Friedensverträge geschlossen, seitdem hat sich das Zusammenleben deutlich gebessert. Davon zeugen vor allem die zahlreichen Maßnahmen, die die lokale Bevölkerung im Laufe der letzten Jahre unternommen hat, um sich an die veränderten Klimabedingungen anzupassen und das Überleben auch in Zeiten globaler Agrarmärkte zu sichern.

Es begann ein reger Austausch zwischen den Kleinbauern und der indigenen Bevölkerung. Dazu wurden eigens 6 Schulen gegründet, in denen traditionelles und lokales Wissen weitergegeben und vermittelt wird. Zudem entschlossen sich mehr als 900 Landwirte für einen Umstieg auf ökologisch-verträgliche Landwirtschaft. Dies geschah vor allem als Reaktion auf die Verschlechterung der Wasserqualität in der Vergangenheit. Seitdem wird auf den Einsatz giftiger Pestizide oder ähnliches weitgehend verzichtet. Stattdessen setzt man mittlerweile auf ein Kompostsystem zur Erzeugung umweltfreundlichen Düngers. Dieser ermöglicht den Familien zudem ein kleines Nebeneinkommen.

Bei den Aktionen kann man von gelungener „Bottom-up-Adaptation“ sprechen. Das Projekt ist aus dem Willen der lokalen Bevölkerung, etwas gegen die hohe Vulnerabilität zu unternehmen, hervorgegangen. Sämtliche genannten Maßnahmen wurden von den ortsansässigen Gruppen in völliger Eigenständigkeit geplant und umgesetzt. Die gesamte Verwaltung und Organisation wird von den Menschen vor Ort übernommen. Dabei sind neue soziale und ökonomische Netzwerke entstanden. Lediglich mit den Vereinten Nationen und dem kolumbianischen Umweltministerium existieren lose Kooperationen. Da das Projekt komplett selbstverwaltet ist, wird kaum Finanzkapital benötigt. Hierin liegt eine große Chance von Bottom-up-Prozessen. Allerdings bergen Bottom-up-Initiativen nicht selten Konfliktpotenzial, da sie sich über bestehende staatliche Strukturen hinwegsetzen.